Fotos
von Häusern in Steinbergen
___________________________________________________________________________________________
1.
Beekebreite 14
2. Meierkordts Haus
3. Bückeburger Str. 9
4. Bückeburger Str. 11
5. "Haus
Sonneck"
6. "Bremer Berghaus"
7. "Haus
Waldfrieden"("Sandmöller", Friederikenstift)
8. "Haus
Waldwinkel"
9. "Haus
Helga"
10. "Haus
Erholung"
11. "Haus am
Walde"
12. "Haus
Waldesruh"
13. "Claussens
Haus"
14.
Ehemaliges
Bareins Haus
15. Ehemals
Zimmersmeister Holsteins Haus
16. "Villa
Schütte"
17. Zur Geschichte
der Steinberger Pensionshäuser
18. Schlußfolgerung
19. Flüchtlinge
in Steinberger Häusern
20. Das ehemalige Löwensteinsche Haus
an der Bückeburger Str.

Beekebreite
14
Sept. 1982
Schön,
daß die traditionellen Fenster auch in 2007 noch vorhanden
sind. Das Haus ist
in seiner urprünglichen
Art fast völlig erhalten. Ein Schmuckstück
für Steinbergen!

Beekebreite
14 von der
Südseite
28.11.2007

Meierkordts
Haus
1982
Dieses
stattliche Haus an der Bückeburger Strasse hat
glücklicherweise seine traditio-
nelle schöne
Fachwerk- und Ziegelfassade weitgehend bewahrt. Nur die Fenster waren
früher
stärker unterteilt. Bemerkenswert ist die Erhaltung des
schönen altertümlichen
Zauns mit den eisernen Spiessen.
Auf diesem
Grundstück befand sich weiter rechts vom Haus bis 1964 die
Dorfschmiede
des Herrn Meierkordt.
Ursprünglich wurde von ihm auch noch Landwirtschaft betrie-
ben. Der Betrieb der
Pensionshäuser im "Luftkurort Steinbergen", solche Orte nannte
man früher
"Sommerfrische", war mehr Nebenerwerb im Sommer, denn in der kalten
Jahreszeit kamen kaum Gäste.
Also hatten fast alle Besitzer von Pensionshäusern noch
einen Beruf, ein
Gewerbe oder eine Landwirtschaft oder wie im Fall der Familie Meier-
kordt eine Schmiede.
Ursprünglich betrieb die Familie Meierkordt sogar neben Pension
und Schmiede auch noch
Landwirtschaft. Die Menschen haben damals viel gearbeitet.

Bückeburger Str.
9
Sept. 1982
Auch
das Haus Bückeburger Str. 9 war 1982 noch sehr schön in
seiner ursprüng-
lichen Art völlig
erhalten! Mittlerweile wurden leider die früher unterteilten
Fenster
ersetzt:

Bückeburger Str. 9
jetzt
29.8.2006
Immerhin
zeigen Haus und Garten auch jetzt noch viel
vom alten Stil: die schöne
Backsteinfassade, den natürlich
anmutenden Garten ohne langweilige kahle Rasen-
flächen und die ewigen Koniferen !

Bückeburger
Str. 11
28.11.2007
Gut, daß
die ursprüngliche schöne ziegelrote Fassade erhalten ist;
leider sind es die
früheren
Sprossenfenster nicht.
Im Parterre rechts
hinter den beiden Fenstern praktizierte einst (1930-er Jahre bis
ca.
Anfang der 1950-er)
der Steinberger
Dorfzahnarzt. Der Eingang zur Praxis war, hier
nicht sichtbar, an der
rechten
Hausseite(s.
den folgenden Link:
bitte klicken!)

Haus
Sonneck(rechts)
1982
Leider wurde der
links auf dem obigen Foto
vor dem
Haus stehende schöne Fliederbaum,
der im Frühling immer üppig
blühte und duftete,
vom jetzigen Eigentümer vernichtet; ein völlig
unverständlicher
Akt von Naturbarbarei!

Das
frühere "Bremer
Berghaus"
Januar 1982
Den früher einmal
prächtigen Garten dieses ehemaligen "sandmöllerschen"
Pensions-
hauses oben an der Straße "Am
Kehlbrink" hat man durch ein kolossales
Mietshaus
zugebaut. Das ehemalige
"Bremer Berghaus" wurde zudem
in seinem
architektoni-
schen Stil zum Schlechten
hin verändert. Die einstige Pracht des
gesamten Anwesens
ist dahin, weil die
Grundstücksbesitzer, die Haus und
Garten vom vormaligen Eigen-
tümer, einer Bremer
Kirchengemeinde, gekauft hatten, auf
größtmögliche Ausnutzung
der Immobilie aus
waren:

So sieht es beim ehemaligen Bremer Berghaus jetzt
aus 31.1.2008
Das Anwesen stammte vom frommen Herrn
Möller, "Sandmöller"
genannt, der
das Haus Anfang der 1930-er hatte erbauen
lassen
und es später der bremischen
Kirche übereignete.
Von
1945 - 1955 war das Haus von der Royal Air Force in
Bad Eilsen beschlag-
nahmt. Es wohnte in
dieser Zeit darin ein hoher englischer Offizier (Brigadier =
Brigadegeneral, d.h. zwei
Rangstufen über dem Lieutenant Colonel = Oberstleutnant,
der im benachbarten
Spierschen "Haus Erholung", s.u., wohnte ) mit seiner Frau,
die im Sommer manchmal
große Gartenfeste dort veranstalteten.
Dem
"Sandmöller" gehörte
auch das
folgende große Pensionshaus, nämlich
"Haus Waldfrieden":

"Haus
Waldfrieden"
ca.
1953

Hinteransicht von "Haus Waldfrieden"
zu Zeiten des Friederikenstifts im Sommer 1968
Oben das ehemalige
Pensionshaus
"Haus Waldfrieden", das einst
dem Ehepaar
("Sand-")Möller
gehörte,
dieses verpachtete es später an ein "Fräulein" Scherrer,
das dies Haus bis in die Nachkriegsjahre
führte. 1945 wurden mehrere Flüchtlings-
familien in dem großen Haus
untergebracht. Später übertrug das bejahrte frömmelnde
Eigentümerehepaar Möller
das gesamte
Anwesen an das hannoversche Friederikenstift,
das es als Erholungsheim für
seine Angestellten(Pastöre, Pflegepersonal, Ärzte) nutzte.
Daneben nutzte das
Friederikenstift den "Waldfrieden" auch zur Ausbildung von
Schwesternschülerinnen seiner
Krankenhäuser, die es in Hannover, Osterode und
Verden besaß. Diese sollten
im "Waldfrieden" auch Hauswirtschaft lernen, d.h. sie
mußten z.B. Zimmer
saubermachen, Fenster putzen, Kartoffeln schälen u.a.
Es waren immer wenigstens ein
halbes Dutzend Schwesternschülerinnen in den
Dachgeschoßräumen des
"Waldfriedens" untergebracht. Sie hatten nicht viel
Ausgang, fingen aber
nichtsdestoweniger manchmal Techtelmechtel mit jungen
Männern aus dem Dorf an.
Schwesternschülerinnen
des Friederikenstifts
im Garten von "HausWaldfrieden" mit dem
Hausmeister und Gärtner, Herrn Modersitzki,
beim
Holzsägen, Januar 1956
Das große blonde Mädchen hinten links am
Sägebock ist
Heidi von
Wurmb aus Feuerschützenbostel bei Celle. Sie
heiratete
später den Baumschulenbesitzer Wittboldt-Müller
in Eitze bei
Verden, mit dem sie zwei Kinder hatte. An einem
Sonntagmorgen im
Juli(18.7.1971) - als sie mit einer Reiter-
gruppe in Eitze ausritt - erlitt sie beim
Überqueren einer
Asphaltstraße einen Reitunfall durch das ausrutschende Pferd.
Wegen der schweren Kopfverletzung starb sie am 21. Juli 1971
im Alter von nur 33 Jahren in Bremen im Krankenhaus.
Sie wurde auf
dem Friedhof von Eitze/Verden begraben.
Das blonde Mädchen rechts am Sägebock hieß Edith.
Die Namen der
übrigen drei Schwesternschülerinnen
sind nicht mehr
in Erfahrung zu bringen!
Das Ehepaar "Sandmöller"
vererbte den gesamten Komplex des "Waldfriedens"
mit den Häusern, dem Garten
und dem Waldstück nach ihrem Tode an das
Friederikenstift in Hannover. Die
Steinberger Verwandten der Möllers - eine
Nichte, die sanftmütige
hilfsbereite
Frau Deerberg, die mit ihrer Familie
im rechten Haus am schrägen Weg zum
Steinberger Bahnhof hinunter wohnte,
hatte sich all die Jahre um die bejahrten
Möllers regelmäßig
gekümmert -
gingen total leer aus, was in
Steinbergen allerseits als
großes Unrecht empfunden wurde!
Das Friederikenstift erlaubte Anfang
der
1950-er Jahre dem Pastorenehepaar Koch,
am Walde auf dem Grundstück
des "Waldfriedens" ein 1-Familienhaus in Erbpacht
zu errichten, welches das Ehepaar
zusammen mit einer Haushälterin bis zum Tode
bewohnte. Dieses, allerdings innen
damals wegen der "sittlichen Trennung" der Kochs
von ihrer Haushälterin
ziemlich verbaute Haus, wurde dem Verfasser dieser Internet-
seite seinerzeit(1971) vom
Verwaltungsdirektor des Friederikenstifts für 110.000 DM
angeboten. Später zog der
Betreiber des Kinderheims "Hirschkuppe" mit seiner Familie
in dieses Haus am Walde:
Das
ehemalige Pastorenhaus (des pensionierten Pastors Koch) am Walde
auf dem Gelände von "Haus Waldfrieden" des
Friederikenstifts(heute
des "Kinderheims Hirschkuppe"), im Winter 1966/67
Das
Friederikenstift hatte nämlich schließlich das gesamte
große Anwesen mit den
drei Häusern ca. 1972 für
schätzungsweise
500.000 DM verkauft, jedenfalls war
auch dieses Ensemble dem Verfasser
seinerzeit für
diesen Preis angeboten worden.
Das Käuferehepaar
eröffnete dann dort das
Kinderheim "Hirschkuppe", das auch
heute
noch betrieben wird.
Der "Waldfrieden" besaß
einen riesigen Blumen-, Obst- und Gemüsegarten mit
Spazierwegen rund um das
Grundstück, für den das Friederikenstift seinerzeit
den netten Herrn Modersitzki aus
dem Dorf als Gärtner und Hausmeister beschäftigte.
Unten auf dem "Hirschkuppen-"Areal
steht ein kleines spitzgiebeliges Gebäude hinter
dem Zufahrtstor, das heute als
Pferde- und
Ziegenstall genutzt wird. Dieses Häuschen
diente ursprünglich Herrn
Möller als Garage
für seinen kleinen Opel, der schwarz war,
wie die Kleidung der Möllers,
wie könnte es auch anders gewesen sein bei einem
frömmelnden, kinderlosen
ernsten Ehepaar. Für Kinder hatte Herr
Möller nie etwas
übrig und wenn er in seinen
großen frühreifen Kirschbäumen herumturnte, die
an
seiner Grundstücksgrenze zum
Weg(heute die Straße "Unter der
Hirschkuppe")
standen, übersah er
regelmäßig die
begehrlichen Blicke der vorbeikommenden
Kinder.

Das ehemalige "Haus Waldfrieden" später als es schon "Kinderheim
Hirschkuppe" war, 1982
Wie das
Photo zeigt, wurden die früheren zweiflügeligen Fenster
ersetzt. Bei diesem
Haus erscheint das jedoch
nicht als sehr
störend, was an der markanten historischen
Ummauerung der Fenster
liegt, die ursprünglich
die
roten Ziegel zeigte(s. das 1. Photo
oben), nunmehr aber weiß verputzt ist.

Das ehemalige
Pensionshaus "Waldfrieden"
Sept. 1982

Das ehemalige Haus Waldfrieden später
1.8.2006
Auch nach über 20
Jahren(siehe oben: 1982) ist der "Waldfrieden" erfreulicher-
weise im wesentlichen
unverändert. Der nunmehr helle Anstrich ist sogar harmo-
nischer und kommt dem
historischen Anstrich nahe.
Zu der ungewöhnlichen
fensterlosen hohen Hauswand unmittelbar auf der Grund-
stücksgrenze kam es
durch einen Nachbarschaftsstreit folgendermaßen:
Der ursprüngliche
Eigentümer und Bauherr des "Waldfriedens" war der fromme
Herr Möller(s.o.), der,
weil
er eine Sandgrube(heute zugeschüttet) am westlichen
Ortsrand besaß, auch
"Sandmöller" genannt wurde. Er hatte den "Waldfrieden" bis
auf weniger als einen halben
Meter an die Grundstücksgrenze setzen lassen. Wo
jetzt die fensterlose
Hauswand ist, waren
ursprünglich überall Fenster, die genau
mit seiner
Grundstücksgrenze abschlossen, wenn sie geöffnet waren. Sein
Grund-
stücksnachbar rechts
von der Hauswand war Herr Gottschalk. Dieser nun ärgerte
sich darüber, daß
die Sommergäste von "Sandmöller" immer ihren Abfall,
nämlich
Zigarettenschachteln, leere Zahnpastatuben
usw. aus den Fenstern auf seinen Acker
warfen (das Haus rechts von der Wand, das
spätere "Haus Waldwinkel"
stand
damals noch nicht, und das
ganze Areal links und rechts der heutigen Straße "Am
Berghang" waren Gottschalks
Äcker). Er hatte darüberhinaus ja auch allen Grund,
auf "Sandmöller"
ärgerlich zu sein, da dieser trotz seines riesigen
Grundstücks fast
auf der Grenze hatte bauen
lassen. Also kam es zum Streit zwischen dem alten
Gottschalk und
"Sandmöller" und letzterer baute vor seine Fensterfront die kahle
Hauswand, wie man sie sonst
nur in Städten findet. Fromme Nachbarn sollten also
lieber erstmal den lieben
Gott fragen, ehe sie ihren Nachbarn so auf die Pelle rücken.
Hier folgt das oben
erwähnte Nachbarhaus, das ehemalige "Haus Waldwinkel",
das jetzt der Enkelin der
verstorbenen alten Gottschalks gehört:

Das ehemalige Gottschalksche "Haus
Waldwinkel"
2006
Die großen glotzigen dunklen
Fensterhöhlen geben dem Haus mit dem maskenhaft
weißen Anstrich
ein geradezu unheimliches Aussehen.
Und so sah "Haus
Waldwinkel" früher aus, als es noch eine Pension war:

Pension "Haus Waldwinkel" in den 1950-er Jahren
Die
zweiflügeligen und noch durch Sprossen im Oberlicht unterteilten
zierlich
wirkenden
Fenster verliehen dem gelbweißem Haus ein freundliches Aussehen.
Der Garten war
weniger steril, es gibt links noch einen hohen Birnbaum, rechts
einen
Kirschbaum und es ist auch noch ein
rustikal wirkender hölzerner Staketen-
zaun
da. Die
häßliche rechts ans Haus angeklatschte
Doppelgarage - unsinniger-
weise erhöht wie auf Stelzen - war noch nicht
vorhanden.

Die ehemaligen "Waldfrieden" und "Waldwinkel" nebeneinander (31.1.1982)
Die Hausinschrift "Haus Waldwinkel", die schon
vorher durch
die unharmonische Verbreiterung der Fensterhöhlen verdorben
war, ist auf dem Foto kaum
noch zu erkennen. Die Haken für
Blumenkästen unter den Fenstern sind teilweise schon heraus-
gerissen.
Der hohe schöne Birnbaum war noch da und auch der große
Fliederbusch an der linken Grundstücksecke. Heute besitzt das
Haus einen 08/15-Vorgarten von der Stange, genau wie bei dem
folgenden
Haus:
Schräg gegenüber in derselben Straße gab es einst die
Pension
"Haus Helga", das in den
1930-er Jahren von dem Ehepaar Requardt erbaut
wurde, diese übertrugen es an Tochter und Schwiegersohn, Kuhlmann.
Das Haus wurde nach deren Tochter Helga benannt, dem einzigen
Kind
des Ehepaars Kuhlmann:

Das frühere Pensionshaus "Haus
Helga"
1982
Die Sprossenfenster waren 1982 schon ersetzt, wie das Foto zeigt.
Mittlerweile
wurde leider auch hier das historische Zeugnis der Hausaufschrift "Haus
Helga",
beseitigt, das 1982 noch bestand.

Das frühere Pensionshaus "Haus Helga" im Sommer 1982
Der
schöne gesunde Kirschbaum an der Straßenseite und weitere
Laubbäume
mußten fallen(ersatzweise kamen düstere Koniferen!) und aus
dem einstmals
natürlichen Garten wurde eine sterile kahle Rasenfläche:

Das frühere Pensionshaus "Haus Helga"
heute: schnieke und steril,
2006
geradezu aseptisch wirkend mit seinem
weißen
Anstrich.
Die Namensgeberin, Helga (geb. Kuhlmann, *1935), die das Haus von ihren
Eltern geerbt hatte,
übertrug das Haus ca. 2008 in andere Hände und zog fort.

Das ehemalige "Haus
Erholung" 1981
Die unterteilten Fenster wurden erfreulicherweise beibehalten.
Leider wurde jedoch die gemauerte Balkonbrüstung durch eine
häßliche braune Kunststoffbrüstung
ersetzt. Der
Eigentümer
dieses Hauses hat sich wenigstens einmal einen schönen hell-
gelben Anstrich in 2007 einfallen lassen, statt des ewigen sterilen
Weiß.
Dieses ehemalige Pensionshaus "Haus
Erholung" des Steinberger
Volksschullehrers Herrn Spier wurde nach langer Beschlagnahme
für einen englischen Oberstleutnant (Lieutenant Colonel
[abgekürzt =
Lt Col] mit Frau, zwei
Töchtern und einem kleinen Hund vom britischen
Royal Air
Force-Hauptquartier in Bad Eilsen (bis 1955) durch die
Familie Spier verkauft und diente später
viele Jahre als Altenheim.
Heute ist es das Wohnhaus des ehemaligen Steinberger Dorfarzt.
Das ehemalige Spiersche "Haus Erholung"
heute 31.1.08

Links neben dem "Haus Erholung" die frühere Pension "Haus am
Walde" (1981)
Beim ehemaligen Deppingschen Pensionshaus "Haus am Walde"(s.u.)
sind
leider
die traditionellen
zweiflügeligen Fenster seit
langem entfernt. Auch die Fensterläden
wurden abmontiert, mit denen das Haus rustikaler und gefälliger
wirkte. Wegen der
traurigen
Geschichtsvergessenheit der Steinberger mußte auch die
schmückende
Hausinschrift "Haus am Walde" verschwinden, wie bei den anderen
Häusern im
Steinberger
Viertel unter der Hirschkuppe. Einer hat damit angefangen, und alle
anderen meinten dann, es nachmachen zu
müssen!

"Haus am Walde"
im September 1962
Auch der Garten beim ehemaligen "Haus am Walde", der auf der obigen
Abbildung noch einen anmutigen und natürlichen Eindruck macht,
sieht
heute kahl und steril aus.
Unterhalb des "Haus am Walde" das Pensionshaus "Haus Waldesruh" der
Familie Harmening hat seine früheren Fensterläden und
natürlich auch den
Hausnamen an der Fassade verloren:
Das ehemalige "Haus Waldesruh" 1982
Und
früher(1950-er Jahre):

Auch im
"Haus Waldesruh", unterhalb des "Haus am Walde" gelegen, verdiente man
sich neben
den Einnahmen aus dem Pensionsbetrieb und dem Beruf eines Sparkassen-
beamten
noch ein Zubrot durch Hühner- und Ziegenhaltung ("Hittchen"), die
in lang-
gestreckten Ställen an der Böschung zum "Haus am Walde"(s.o.)
gelegen waren.
Als die
Amis das Haus im April 1945 beschlagnahmten und die Bewohner hinaus
mußten, wurde merkwürdigerweise die Schreibmaschine im Haus
vergessen(die Amis
liessen
sie natürlich bei ihrem Abzug mitgehen!), aber die sehnigen Beine
der geschlach-
teten
"Hittchen" wurden in das Umzugsquartier
mitgebracht.

Haus unten
an der Straße "Am Kehlbrink"
1982
Das Haus der Familie
des
früheren dörflichen Frisör Claussen mit den
harmonischen
Proportionen der 1920-1930er Jahre. Leider wurden auch
hier die früheren
unterteilten Fenster durch breite Fenster ersetzt, was den
Gesamteindruck stört. Wie bei vielen Häusern, gab es auch
hier früher
noch Blumenkästen unter den Fenstern; die Haken dafür sind
auf dem
Foto noch sichtbar.

Das ehemalige Bareins-Haus, Nr. 19 an der westlichen Rintelner Str.(B
238) 1982
Von der Geschichte
dieses repräsentativen Hauses ist folgendes bekannt: Es
gehörte
ursprünglich einer alten Dame, nämlich Frau Barein,
wohlbeleibt aber etwas schwach
auf
den Beinen.
Im turmartigen kleinen Anbau rechts
und hinter den zwei Fenstern rechts davon
lebte noch viele Jahre nach dem 2. Weltkrieg ein älteres Ehepaar.
Der Mann wurde
im
Dorf "Luchtenplücker" genannt ("Lucht" ist plattdeutsch Licht und
"plücken" ist
pflücken, hier hat es aber wohl die Bedeutung "reparieren". Also
"Luchtenplücker"
= Elektriker).
Während des Krieges und
einige Zeit danach lebten in dem Bareinschen Haus auch
zwei kinderfreundliche junge Frauen
aus
Bremen, blond, schlank und attraktiv.
Sie waren in Bad Eilsen
bei den aus Bremen wegen des anglo-amerikanischen
Bombenkrieges ausgelagerten Flugzeugwerken Focke-Wulf beschäftigt.
Kurz
nach
dem Krieg - es mag etwa 1946 gewesen sein -
stürzte sich eine von ihnen
vom hohen Autobahnviadukt bei den
Arensburger Teichen in
den Tod. Es geschah
wegen einer unglücklichen
Liebesbeziehung oder wegen einer anderen als ausweglos
empfundenen Lebenssituation. Alle waren erschüttert und Dorfkinder
liefen voll
Grauen zum
Unglücksort, fanden dort aber kein Blut. Das Autobahnviadukt lag
nach
der gegen Kriegsende erfolgten Sprengung noch in Trümmern
und oben fuhren
deshalb damals keine Autos, daher war auch die Absprungstelle leicht
zugänglich.
Auch
lebte noch viele Jahre nach dem Krieg ein "Fräulein" Fröhlich,
unverheiratete
Mutter eines Mädchens
namens Erika, im Bareinschen Haus. Erika wuchs zu einer
hübschen jungen Frau heran, starb aber bald zum großen
Kummer ihrer armen Mutter,
deren ganzer Stolz und Lebensinhalt sie gewesen war. Beider Gräber
sind auch schon
lange wieder auf dem Steinberger Friedhof beseitigt.
Dieses
Bareinsche Haus von Anfang des letzten Jahrhunderts, ehemals ein
architek-
tonisches Schmuckstück für
Steinbergen, wurde leider
von den Neuerwerbern total
verdorben:

Das frühere Bareins-Haus
jetzt
3.8.2006
Ein Haus, wie es
jetzt aussieht, kann man als Neubau bauen lassen, aber man ver-
wandelt nicht
ein schönes altes stilvolles Haus in einen solchen Palazzo Prozzi!
Weder sind die
reizvolle rote Ziegelfassade und die traditionellen Fenster erhalten
geblieben noch der schöne Zaun
mit den historischen
Eisenspießen.
Eine unverständliche
Kulturschande wurde hier
verübt.

Das ehemalige Haus des Zimmermeister Holstein in der Rintelner
Straße
28.11.07
Das repräsentative Haus in der Rintelner Str., das
Zimmermeister Holstein für sich
und seine Familie um
1930 erbauen ließ, ist wohl bis auf die Fenster, den hübschen
Balkon und den
Anstrich, der früher hellgelb war,
unverändert.
Nachdem im
Sommer 2008 die hochgewachsene dunkle Fichtenwildnis auf dem
Holstein-Miedeschen Grundstück beseitigt war, präsentiert
sich das Haus - von der
Straße "An
der Hirschkuppe" aus gesehen - folgendermaßen:

Das Holstein/Miedesche
Haus von der anderen
Seite
14.12.2008
Zur Historie dieser ehemaligen Steinberger Pensionshäuser in dem
Viertel unter
der Hirschkuppe
bleibt zu ergänzen, daß ab 1941 viele Gästezimmer in
den Pensions-
häusern vom
Reichsluftfahrtministerium(des Hermann Göring: "Links Lametta,
rechts
Lametta, und der
Bauch wird immer fetta!") beschlagnahmt wurden zur Unterbringung
von Ingenieuren,
Technikern und Verwaltungspersonal(mit ihren Familien) der Bremer
Flugzeugwerke
Focke-Wulf. Wegen der Gefährdung durch die Bomber der
Engländer
und Amerikaner
in Bremen hatte man nämlich die Konstruktions- und Verwaltungs-
abteilungen der
Firma in die großen Hotels in Bad Eilsen verlegt (für
Einzelheiten bitte
auf Bad Eilsen
klicken!). In andere Gästezimmer wurden ab 1944
Flüchtlinge*(s.u.)
einquartiert.
Teilweise
mussten dann ab April 1945 alle Deutschen aus einigen
Pensionshäusern
heraus, weil
zuerst für einige Wochen amerikanische Soldaten einzogen und
später für
mehrere Jahre
englische Soldaten und Offiziere, letztere in zwei Häuser sogar
bis
1954.
Im großen Ganzen war Steinbergen als
Luftkurort also
früher schöner, bunter
und natürlicher (vor allem auch
ruhiger) als jetzt,
wie man im Einzelnen auch
an der Veränderung der oben
vorgestellten Häuser
und deren Grundstücken
erkennen kann.
_____________________________________________________________________
*
Ergänzung: Flüchtlinge
in Steinberger Häusern
Wie an manchem anderen
Ort, so gab es auch in Steinbergen durch die Einquartierung
von Flüchtlingen in den oben
erwähnten Pensionshäusern und weiteren Privathäusern
menschliche Probleme.
Die zuerst in
Steinbergen eintreffenden Flüchtling kamen aus dem
kriegzerstörten Aachen,
dann trafen in 1945
viele Flüchtlinge aus dem Osten, aus Schlesien, Ostpreussen,
Pommern,
Litauen ein. In einem
Fall z.B. drangsalierte eine Steinberger Hausbesitzerin die bei ihr ein-
quartierten
bemitleidenswerten Flüchtlingsfamilien aus dem Osten so, daß
eine offizielle
Beschwerde erfolgte.
Die britische Militärregierung
hatte als Bürgermeister Albert Meier eingesetzt, ein
kleines
mageres Männlein
mit flacher dunkler Schiebermütze, den einige Kinder mit leisem
Unbehagen
betrachteten, weil sie von den Erwachsenen gehört hatten: Albert
Meier ist
ein Kommunist; und das klang
fast so,
als sei er der Teufel persönlich. Dieser kommu-
nistische
Bürgermeister erschien also bei dem mitleidslosem Satansbraten von
einer
Hausbesitzerin eines
der Steinberger Pensionshäuser eines Abends zusammen
mit dem
britischen Ortskommandanten, einem
schmächtigen Hauptmann mit
Oberlippenbart,
in Begleitung von zwei britischen
Soldaten mit auf die Gewehre gepflanztem
Bajonett
und schrie die impertinente
Hausbesitzerin und ihren altenTrottel von Ehemann im
Hausflur dermaßen zusammen,
daß man es bis zwei
Häuser weiter hören konnte.
Später sagten die
Flüchtlinge im Dorf: "Wenn die Russen
kommen, dann
hängen sie die alte
"...........-sche" als erste an einem Telegrafenmast auf."
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29./30.11.07,
ergänzt: 31.1.08,
20.3.08, 6.5.08, 30.8.08 und
14.12.08, 30.4.09, 24.4.2010
und am 19. September 2011