Wölpinghausen bildet ein
"Infanterieregiment Graf Wilhelm",
denn Höhenluft macht kühn
Wölpinghausen ein übermütiges Dörfchen im Schaumburger Land, auf
der
Höhe
der Rehburger Berge über dem Steinhuder Meer, das selbst schon eine
grandiose
Übertreibung
und Hochstapelei ist, wie schon der große Georg Christoph Lichtenberg
meinte, als dieser
berühmte Naturforscher durch die Gegend reiste, um Herder in
Bückeburg zu besuchen. Man
liebt hierzulande Übertreibungen und nennt einen
kleineren See schon einmal hochstapelnd Meer.
Die von der frischen Höhen- und Meerluft angefachten Wölpinghauser
wollen
also ein Regiment in historischen Uniformen aus der Zeit des Grafen
Wilhelm
zu Schaumburg-Lippe aufstellen, die im
18. Jhd. war. In der Lokalzeitung
postierte sich jetzt der Oberfeldwebel Ralf H., ein gardemäßig strammer
Enddreißiger, angetan mit hohen schwarzen Stulpenstiefeln, weißen
Buxen,
dunkelblauem Wams, knallrot
unterfüttert, rotem Kragen und Ärmelaufschlägen,
einen breiten weißen Lederriemen diagonal über der
Brust, ein ulkiges militär-
mäßiges blaues Kapotthütchen auf dem Haupt, den Degen zur Hand, und mit
der
angelegten Flinte auf der Bückeburger Schloßbrücke irgendwohin ins
Unbestimmte zielend. Eine prima
karnevalistische Verkleidung also. Das Soldaten-
spielen hat doch für die großen schaumburger Jungs noch immer seinen
ganz
besonderen Reiz.
Auch sind sie offenbar angesteckt von ihrer ideellen Nähe zum
Bückeburger
Soldatengraf Wilhelm, dem das Militärische über alles ging, so daß er
sogar
die Entwicklung
seines Ländchens Schaumburg-Lippe redlich und ausdauernd
vernachlässigte und seine Bauern schuften ließ,
um sich eine Festungsinsel
im Schaumburger See, pardon Meer, bauen zu lassen, den zumindest lokal
berühmten Wilhelmstein. Zudem hatte dieser bekannte Militarist auf dem
bewaldeten Hügel neben
dem Dörfchen Wölpinghausen ein Berghaus, um
mit Wohlgefallen auf seine Festungsinsel hinuntersehen
zu können.
Die nach ihm benannte karnevalistische Truppe will also nach eigenem
Bekunden, bei allen möglichen inoffiziellen und offiziellen Anlässen im
Schaumburger Land bis weit
über die Landeshauptstadt Bückeburch hinaus
demnächst aufmarschieren und das Gewehr präsentieren. Ihr fehlt zwar
noch
die volle Regimentsstärke von 400 Mann. Aber zwölf Krieger sind
immerhin
schon erfaßt.
Das ist schon eine Anzahl, die als Wachformation in Frage kommen kann.
Es wird daher vorgeschlagen, daß die Truppe abgeordnet wird, um dem
Schaumburger Landesherrscher, dem
Landrat Heinz Heinrich Schöttelndreier,
zur Seite zu stehen.
Das würde diesen sicher freuen, wenn er von Zeit zu Zeit die Hand
grüßend
an die Mütze legend seine Gardeformation abschreiten könnte. Der
Landrat,
ein stets
beflissener Lächler, käme dann aus dem Lächeln garnicht mehr heraus,
wenn er das Gefühl hätte, daß
außer seiner ihm treu ergebenen SPD-Truppe
auch noch eine wackere Leibgarde hinter ihm
steht.
nt. - April/2006
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