Die Lange Wand
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Dieser Berg ist mit 320 m der höchste im westlichen
Teil
der Wesergebirgskette.

Die Lange Wand von den östlich gelegenen Luhdener Klippen und ihrem
Turm aus gesehen, Sept. 2006
(Man blickt auf den Luhdener Paß und das Waldstück
der sog. "Mordfichten" hinunter, s. u. )
Es ist ein stiller Berg, den man auf einem an der
Ostseite
des Berges schmalen
im Sommer durch Kräuter fast zugewachsenem Pfad, aber dann im
Kammbereich
bald breiteren bequemen Waldweg überqueren kann. Wer
Einsamkeit sucht,
der geht hier richtig. Denn der Berg ist auf dem Kamm nicht mit
besonderen Attraktionen
wie Aussichtsturm oder Gastwirtschaft ausgestattet(anders auf den
Luhdener Kippen).
Es gibt in der belaubten Jahreszeit auch kaum Ausblicke ins Tal. Weil
der Berg nicht
viele Besucher auf seinem Kamm aufweist, ist er auch Domizil der
Wildschweine,
die
sich in seinen abseits der Wege gelegenen Dickungen aufhalten und sich
in der kühlen
Jahreszeit manchmal hoch am Südhang sonnen. Auch der anderswo
selten
gewordene
Habicht,
genauso vorsichtig und die Ungestörtheit suchend, liebt die Wälder der
Langen
Wand.
Wie alle Berge des Gebirges hat auch dieser einen Steilhang zum
Wesertal hin.
Aber dieser Berg ist freundlich und nicht abweisend, denn die
Felsnasen
zur Südseite
sind hier weniger hoch und schroff als bei anderen Bergen. Auch fehlen
die verdüsternden
Fichtenwälder. Fast alles ist hier heiterer lichter Laubwald.
Nur am Westhang gibt es zwei
kleinere Fichtenbestände, sonst kommt nur Buchenwald vor(überwiegend
stammen die Rotbuchen
aus dem Jahre 1903). Am Kammweg(langsam von Ost nach West
ansteigend,
an der Westseite
aber steil) stehen außer Buchen auch Eschen und Ahornbäume. Die
Bäume vermitteln auf
dem Kamm mit seinem breiten Waldweg den Eindruck
einer Allee.
Die Vegetation, auch was die Blütenpflanzen angeht,
ist ansonsten ähnlich wie bei
den Luhdener Klippen und
der Hirschkuppe(s. diese).
Die Wälder der Langen Wand bilden den "Staatsforst
Hainholz". Im amtlichen Sprachgebrauch
wird jedoch die Bezeichnung "Lange Wand" vorgezogen
("Naturwald L a n g e W a n d" ! )
und im örtlichen Sprachgebrauch der Bevölkerung existiert nur die
treffende
Bezeichnung "Lange Wand", weil der Berg dem Betrachter aus dem Wesertal
wie eine lange Waldwand erscheint.
Umrundet wird der Berg in harmonischen Schwüngen von einem schönen
breiten Weg,
den Wanderer, Läufer, Radfahrer und Langlaufskifahrer schätzen.
Hier findet auch der
Luhdener spätsommerliche Wettlauf "Rund um die Lange Wand"
statt.
An der Nordseite bietet dieser Weg schöne Ausblicke nach
"Bückeburch", Bad
Eilsen,
Obernkirchen, und darüberhinaus ins Schaumburg-Lippische, ins Mindener
Land und ins
Auetal, auch auf die Bückeberge, den Harrl und den Papenbrink.
An der Nordwestecke des Berges unterhalb des Schermbecker Passes liegt
am Wiesen-
hang des kleinen Dorfes Schermbeck das altbekannte Gasthaus
"Schinkenkruse", das
man vom
Rundweg um
die Lange Wand bequem erreichen kann.
Leider ist das Gasthaus
schon seit dem
Sommer 2008 geschlossen und am 26. Januar 2010 wird "die
Schinkenkruse"
mit allen
Liegenschaften drumherum, nach 112 Jahren ihres Bestehens, zwangsversteigert!
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Die
Vorberge
An der Südseite besitzt die Lange Wand zwei Vorberge, auf dem
kleineren östlichen stehen
in 235 m Höhe die Reste der früh-mittelalterlichen Frankenburg(auch
Hünenburg genannt):

Das Innere der
Hauptburg der Ruine der
Frankenburg
25.7.07
Beschreibung:
Die Burgruine steht auf
dem unregelmäßig
kreisrunden kleinen Vorberg der Langen Wand.
Der
Zugang zur Burgruine ist auf der Nordseite, also der Seite zur
Langen Wand hin.
Es folgt
ein ca. 7 m tiefer äußerer Burggraben. Danach kommt die kleine
Vorburg ohne
irgendwelche Mauerreste. An der Ostseite, also links von der
Zuwegung stand ursprünglich
ein dicker
runder Turm, was man an einer entsprechenden Bodenerhöhung erahnen
kann.
Nach dieser Vorburg folgt ein zweiter ca. 5 m tiefer
Burggraben, der wahrscheinlich früher mit einer
Zugbrücke versehen war. Danach folgt(s. Photo) der Zugang zur Hauptburg(auf
dem Photo hinten
rechts von der Mitte) durch eine gemörtelte Mauer von einer Dicke von
1,50 - 2,50 m.
Links sieht man die Mauern der kleinen Burgkapelle, rechts die
Mauern eines viereckigen Turms
und im Vordergrund die Mauer des Palas(Wohngebäude). Es
handelte sich also um relativ kleine
Gebäude einer herrschaftlichen Wohnburg und nicht um eine
bäuerliche Fluchtburg.
Die Ausdehnung
der Anlage vom ersten Burggraben(Vorburg) bis zum südlichen Ende
der Hauptburg, also zum Palas(Aufnahmestandpunkt) beträgt ca. 80 m. Die
Breite der Anlage
ist ca. 40 m. An der linken Seite(Westseite) und an der Südseite, also
hinter dem Rücken
des
Photographen fällt der Hügel steil ab.
Man kann sich
hier in der Waldesstille über dem Wesertal vergegenwärtigen, daß hier
einstmals
Menschen gelebt,
geliebt und gelitten haben. Sie sind so spurlos vergangen, wie auch wir
dereinst
mehr oder
weniger spurlos vergangen sein werden.
Zur Namensgebung Frankenburg oder Hünenburg:
Beide Bezeichnungen sind zwar gebräuchlich aber irreführend, denn der
Name
"Frankenburg" geht nach dem Heimatforscher E. Sindermann
nicht auf die
Franken
des
Sachsenschlächters "Karls des sogenannten Großen" zurück, die
eroberungsgeil
in das Land an der Weser
einfielen und unsere Vorfahren abschlachteten
sondern die Bezeichnung
"Frankenburg" geht auf einen Waldläufer namens Franke
zurück, der in
den Wäldern der Langen Wand Naturprodukte zu sammeln pflegte.
Daher gibt es
auch die unterhalb der Burgruine sich am Waldrand erstreckende
Rintelner Straße
"Unter der Frankenburg"(s. u.).
Die vom Rintelner
Verschönerungsverein v. 1878 e.V. favorisierte
Bezeichnung
"Hünenburg" ist falsch, weil "Hünen" Riesen oder übermäßig
groß gewachsene
Männer sind. Und daß es die im Mittelalter gab, davon ist nichts
bekannt,
die
Menschen waren damals sogar im Durchschnitt kleiner als heute und die
Herren der
Frankenburg waren sicher ganz gewöhnliche Bauernschinder und
Raubritter. Der Name "Hünenburg" stammt also aus der Phantasie bzw. aus
Mythologie
und Märchenwelt.
Es ist so, daß man von den Erbauern und Bewohnern der Burg keine Namen
oder
Lebensdaten weiß. Sie scheint nach den Bodenfunden(Ausgrabungen mit
Funden
erfolgten 1898) jedoch aus dem 11. oder 12.
Jahrhundert zu stammen.
An der Südseite des Palas fand man z.B. einige in Goslar
geprägte
Münzen aus
der Zeit
des Kaisers Heinrich IV, der von 1050 - 1106 lebte.
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Der
westliche Vorberg, der 250 m hoch
ist, bietet wieder
totale Einsamkeit abseits des
Rundweges:

Blick
von der Kirschenallee auf Lange Wand mit den beiden erwähnten
Vorbergen 13.1.08
Links auf dem Foto der westliche Vorberg und in der Mitte der kleine Vorberg,
auf dem sich die Frankenburg befindet. Die
Häuser am Waldrand liegen an der
oben schon
erwähnten schmalen Straße mit dem Namen "Unter der Franken-
burg"!
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An der Nordwestecke oberhalb des Schermbecker Passes
befindet
sich am Rundweg
ein kleiner ehemaliger bäuerlicher Steinbruch aus alten Zeiten.
Ein
weiterer, aber
größerer, alter Steinbruch in den humanen Dimensionen der
ersten
Hälfte des vorigen
Jahrhunderts befindet sich am Nordostfuß der
Langen Wand,
oberhalb von Luhden. Er ist besonders im östlich gelegenen
Eingangsbereich sehr
zugewachsen:

Ehemaliger Steinbruch am Nordostfuß der Langen Wand, oberhalb von
Luhden,
Blick von Südwesten (25.3. 2007)
Ein weiterer kleinerer ehemaliger Steinbruch befindet sich ca. 150 m
vom sog.
"Vorbergsplatz"(8-Wegekreuzung) entfernt links des breiten Weges in
Richtung
Frankenburg, gegenüber dem Waldstück der "Mordtannen"(s.u.) am Luhdener
Pass:
Im Wegeinschnitt sieht man die sog.
"Mordtannen"(s.u.). 25.3.2007
Am unteren Nordhang sind einige alte Obstbaumkämpe am Wege und
wenige
verwunschene Wohnhäuser in den kurzen schattigen Taleinschnitten,
sozusagen
in den
Falten des Berges.
Die Nachbarberge der Langen Wand sind die durch die
Abbauindustrie halbzerstörten
Berge Papenbrink und Wülpker Egge
im Westen. Während die östlichen
Nachbarberge
die bisher unangetasteten Luhdener
Klippen mit dem Rintelner
Klippenturm,
die Hirschkuppe und der durch die
Steinbruchindustrie fast total zerstörte Steinberger
Messingberg sind.
In dem Waldstück der sog. "Mordtannen", seinerzeit eine
düstere Schonung junger
Fichten im
Luhdener Paß zur Seite der Langen Wand hin, ereignete sich am 25. April
1932 ein Lustmord
an einem Rintelner Mädchen, der Schülerin Magdalene
Hartmann
aus der
Wilhelmstraße, durch den 37-jährigen Wilhelm Buchheim, einen Bekannten
aus der
Nachbarschaft; der Mörder wurde am 30.6.1934 hingerichtet.
--- Seit 2004/2005
sind die
Fichten zu einem großen Teil abgeholzt:

Der schmale Pfad durch die "Mordtannen" aus
Richtung Luhden (Jan. 2007)
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Die Luhdener Klippen und die Lange Wand sind die beiden Hausberge
Rintelns.
Von der
Weserstraße, der Weserbrücke, der Bahnhofstraße bietet ihr Anblick
sommers wie winters
einen ästhetischen Genuß. Der Gedanke daß sie einmal
eine
durch
Steinbrüche zerstörte hintere Seite hätten und sozusagen als
"Potemkinsche
Dörfer" wie der
Steinberger Messingberg auf uns herabblicken
würden, ist unerträglich.

Die Lange Wand vom Rintelner
Weserufer aus gesehen(Sept. 2006)
(Links ist der
Schermbecker Paß und rechts der Luhdener Paß zu erkennen)
Die Lange Wand ist wie die Luhdenener Klippen ein besonders
durch die Menschen aus
Rinteln, Todenmann, Luhden und Bad Eilsen stark
genutzter Berg für ihre Erholung und
beide dürfen durch die Steinbruchindustrie nie angetastet werden. Die
Lange Wand ist
darüberhinaus ein
wertvolles landschaftliches Kleinod und verdient deshalb
besonderen
Schutz. Jeder Versuch, diese
Naturreserven zu zerstören muß und wird schärfsten
Widerstand der
Bevölkerung in unserem Raum nachsichziehen.
F. Eix / 4. 10.
2006
(überarbeitet am 8.6.2008)
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