Der Jakobsberg

                Der Jakobsberg ist der westlichste Berg des Wesergebirges.
                Er liegt bei der Porta Westfalica und dem Weser-Durchbruch
                in die große Norddeutsche Tiefebene.

     
                                           Der Jakobsberg von der Südseite                     3. Juni 2009
 
               Der Jakobsberg ist 236 m hoch. Die Antennenspitze 377 m über Normal-Null.

              Benannt ist der Berg seit 1788 nach einem preussischen Zöllner namens Jakob,
              der am Südhang des Jakobsbergs Wein anbaute. Das ganze Gebiet bei Minden
              mit Hausberge, Lerbeck, Lohfeld, Eisbergen, Wülpke, Kleinenbremen usw.
              gehörte zur preussischen Provinz Westfalen. Deshalb gibt es auch das große
              Kaiser Wilhelm-Denkmal auf dem Wittekinds-Berg, der als östlichster Berg
              des Wiehengebirges dem Jakobsberg auf der anderen Weserseite gegenüberliegt.
              Und wegen des Denkmals wurde unterhalb des Jakobsbergs an der Weser der
              Bahnhof "Porta" gebaut, in dem sich heute die Disko PW1 befindet!
         

              Südlich des Jakobsbergs liegt der Ort Hausberge, nördlich das Dorf Lerbeck.

              Vom  östlichen Ortsrand Hausberges führt eine Straße auf den Jakobsberg
              bis zum Fernsehturm:

                    
                              Der Fernsehturm auf dem Jakobsberg   3.6.2009

                                   Dieser Fernsehturm, der 1974/79 errichtet wurde,
                     ist 141 m hoch, wovon
die Höhe der Fernsehsende-
                     antennen 33 m beträgt.
Er ist mit einer Aussichtsgalerie
                     in 22 m Höhe ausgestattet, deren Benutzungsrecht
                     der Bismarckbund hat(s.u.), "dessen besonderes
                     Anliegen es ist, Besuchern den schönen Ausblick
                     in die reizvolle Landschaft zu ermöglichen".
                    
Darüber befindet sich die Betriebskanzel in einer
                     Höhe von 55 m über dem Erdboden. Sie hat einen
                     Durchmesser von 33 m. 

                     Die Antennenspitze befindet sich in einer Höhe
                     von 377 m über dem Meeresspiegel(Normal-Null).    

                          Öffnungszeiten für die Aussichtsplattform:
                     Karfreitag bis Anfang November: an Sonnabenden
                     und Sonn- und Feiertagen von 10.00 Uhr - 18.00 Uhr.
                     Eintrittspreis: 50 Cent.


Fotos von der Aussichtsplattform des Fernsehturms, 5. September 2010:

        Bitte etwas Geduld.
                                                                          Blick nach Nordwesten
             
       
                                                                          nach Westen
 
       
                                                                           nach Südosten

       
                                                                                nach Norden
   
       
                                                                                   nach Osten                                          5.9.2010
  

                     In einem Gedenkraum am Fuß des Fernsehturmes
                     versucht der Bismarckbund die Erinnerung an den
                     Gründer des "Deutschen Reiches", den Reichskanzler
                     Otto, Fürst von Bismarck
(1815-1898) wachzuhalten.

                     Der jetzige Fernsehturm steht an der Stelle eines
                     früheren  kleineren Fernmeldturms von 1952
, der
                     39 m hoch
war. Auch er besaß eine Aussichtsgalerie,
                     die sich in 26 m Höhe befand.     

                     An der gleichen Stelle stand von 1902 - 1952 ein 22 m
                     hoher Gedenk- und Aussichtsturm, der vom Bismarck-
                     bund errichtete Bismarksturm,
der dem Fernsehturm
                     weichen mußte.
      
                    


        
                                   Tafeln am Zaun bzw. am Eingangsgebäude des Fernsehturms                  3.6.2009


                     Neben dem Fernsehturm steht die seit Ende der 1990-er Jahre aufgegebene traditionsreiche
                 Gaststätte Bismarcksburg und verfällt:

                            
                                       Das verfallende ehemalige Ausflugslokal "Bismarcksburg"  3.6.09


                                               
                                                                  
Das verfallende ehemalige Ausflugslokal "Bismarcksburg"  5.9.10
                                               


          Vom Fernsehturm aus gelangt man nach ca. 400 Metern auf einem leicht nach unten
          führendem etwas steinigem Waldweg auf dem Bergrücken zum Schlageterdenkmal:

               
                         Waldweg auf dem Bergrücken und Blick vom Jakobsberg zur Mindener Seite   3.6.09


           Das Denkmal für den Freikorpsangehörigen Leutnant Albert Leo Schlageter(* 1894),
           der nach dem 1. Weltkrieg während der Besetzung des Ruhrgebietes durch das französische
           Militär als Widerstandskämpfer gegen dieses auftrat. Er verübte im Duisburg-Essener-Raum
           Spionage und Sabotageakte gegen die Franzosen, und wurde nach seiner Verhaftung deshalb
           von einem französischen Militärgericht zum Tode verurteilt und am 26. Mai 1923
           von einem französischen Exekutionskommando erschossen
, auf der Golzheimer Heide
           bei Düsseldorf.

           Vor seinem Tode schrieb er in einem Brief an einen Freund:
            
"Ich bin ruhig und gefaßt, wenn es auch schwer fällt, als Verbrecher
                 hingerichtet zu werden, wo man doch nur das Beste gewollt hat.
                 Nun ist das eben Menschenschicksal. Vergesse das Leben und
                 vergebe Anklägern und Richtern. Ich habe beides getan
."


           Auf Wunsch seiner Familie wurde er in seiner Heimat, Schönau im Schwarzwald, begraben.
           Schlageter war ein aufrichtiger deutscher Patriot! Es gibt andernorts heute noch ca. 20
           weitere Schlageter-Denkmäler:


        
                                    Das Schlageterdenkmal auf dem Jakobsberg                3. Juni 2009


                              
                                                                                Tafel am Schlageterdenkmal                   3.6.2009


             
                                      Blick von der Aussichtsplattform des Schlageterdenkmals auf Hausberge  3.6.09


       
                       Blick von der Aussichtsplattform zum östlichen Ortsrand von Hausberge   
3.6.09


       
               
Blick von der Aussichtsplattform nach Westen zum Wittekindsberg jenseits der Porta
                                                                                                                                                                                                          3.6.09

           Mit dem Bau des Schlageterdenkmals wurde 1933/34 begonnen. Das Denkmal wurde
      dann nie vollendet
.


          Geht man vom Schlageterdenkmal weitere 400 m auf dem Bergkamm leicht nach
       unten so kommt man in 186 m Höhe zur "Porta-Kanzel", die einen sehr schönen
       freien Blick nach Westen ins Wesertal und auf den Wittekindsberg bei der Porta
       bietet:

          
                                                                        Blick von der Porta-Kanzel                                 
3.6.09


         
                                                                Bei der Porta-Kanzel                                      
3.6.09

         Hier stand seit dem Mittelalter die "Antonius-Kapelle". Daher heißt dieser Teil des
         Jakobsbergs "Antoniusberg" oder "Tönsberg".

      

                                    
                                                Blick vom Fußpfad an der westlichen Bergkante  6.3.2011


       Unten im Bergwald auf der Nordseite des Jakobsbergs, oberhalb des Dorfes Lerbeck,
       befindet sich in der Senke eines früheren Steinbruchs der sog. "Blaue See":

                                                

       Er befindet sich auf einem Übungsgelände für Pioniere. Diese haben leider den See
       so weiträumig mit einem 3 m hohem Drahtzaun abgesperrt, daß man den See weder
       erreichen noch sehen kann! Auf einem Schild steht alle 300 m: "Militärischer Sicherheits-
       bereich  -   Unbefugtes Betreten verboten!  -  Vorsicht Schußwaffengebrauch!
       Der Standortälteste".  Sogar am Fuß des Zauns haben sie noch scharfkantige Draht-
       rollen verlegt, als kämen jederzeit doch noch die Russen! Pioniere müssen sich wohl
       besonders wichtig vorkommen. Will man den Blauen See einmal sehen, so muß man
       am besten mit dem Hubschrauber kommen:

     
                            Zaun um das Pioniergelände des "Blauen Sees"                 6.3.2011 


      
                  Blick von der Portakanzel zum Hotel "Kaiserhof" unterhalb des Wittekindsbergs 3.6.09                                                                
 
      Im hinter dem Hotel sichtbaren langgestreckten Gebäude(früherer Festsaal) befand
      sich in der Nazizeit ein kleines KZ. Die Häftlinge mußten im Jakobsberg arbeiten.
      Der Jakobsberg ist nämlich durch große Stollen ausgehöhlt, in denen sich
      kriegswichtige Produktionsanlagen befanden.

     
Am Jakobsberg wurde bis ins 20. Jahrhundert Sandstein abgebaut, z.T. auch
      untertage! In diese Stollen und Höhlungen des Untertage-Sandsteinabbaus
      zogen im 2. Weltkrieg Rüstungsbetriebe ein, z. B. ein Hydrierwerk, das in zwei
      Etagen aus Kohle Flugbenzin  herstellte. Es gab im Jakobsberg auch eine Schmier-
      öl-Raffinerie und einen Betrieb der Philips-Werke aus Eindhoven, Holland, für die
      Herstellung von Elektronenröhren.


      An der Südostseite des Jakobsbergs befand sich zudem in der Nazizeit ein weiteres
      kleines KZ
, in dem bis zu 1.000 ungarische Jüdinnen untergebracht waren, die jeden
      Morgen durch den Wald zur Westseite des Jakobsbergs marschieren mußten, wo sich
      der Stolleneingang zu den Produktionsanlagen im Jakobsberg befand. Sie mußten in
      der Produktion der holländischen Philips-Werke für Elektronenröhren im Jakobsberg
      arbeiten.

      Das Lager befand sich auf der freien Wiesenfläche an der Zufahrtsstraße
      "Frettholzweg", die auf den Jakobsberg hinaufführt:
 
      
                     Gelände des ehemaligen kleinen KZ für ungarische Jüdinnen am Jakobsberg 
3.6.09


           Das ehemalige Wach-Häuschen am Eingangstor ist -  umgestaltet zu einem Wohn-
       gebäude  -  noch vorhanden:

      
                     Das ehemalige Wach-Häuschen des KZ an der Zufahrtsstraße auf den Jakobsberg 

                         (im Hintergrund der sog. "Königsberg", ein östlicher Nebenberg des Jakobsbergs)  3.6.09                                                                                                                                                                                      


                                                                                                                                                                    Eix / 6. Juni 2009
                                                                                                  ergänzt 12.6.9, 6.9.2010,
                                                                                                  6.3.2011                                                                                                   

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