Dieser Beitrag wurde der "Schaumburger Zeitung" entnommen, in der er als
Leserbrief  im Februar 2007 erschien:


                             Gnade für RAF ?

In der Lokalzeitung* äußert der Bückeburger Jurist und Zeitzeuge v. Oertzen,
dass er sehr enttäuscht wäre, wenn Gnade erginge. Zeitzeuge bin auch ich.
Aber den Fall des RAF-Terroristen Christian Klar(54) und sein Gnadengesuch
beurteile ich anders als Herr v. Oertzen und ich stehe nicht an, mich öffentlich
als enttäuscht zu gerieren, was auch immer in diesem Fall geschieht.

Zuerst einmal finde ich die ganze Diskussion um die RAF-Häftlinge momentan
ziemlich von Medien und Politikern usw.  hochgespielt und übertrieben. Es ist so,
als gäbe es keine anderen und wichtigeren Probleme. Aber man möchte so vielleicht
vom Versagen auf anderen Feldern ablenken und der Volksseele ablenkende
emotionale Beschäftigung verpassen.

Terroristen gab und gibt es immer wieder und viele kommen sogar nach
religiösem Glauben in den Himmel. Da muß man sich nicht im nachhinein
darüber noch künstlich aufregen, dass es Terrorismus vor vielen Jahren
auch einmal in Deutschland gegeben hat.

Wenn Terroristen entstehen, dann liegt es wohl immer auch an der
herrschenden Gesellschaftsstruktur und man weiß ja auch, was für
verkrustete autoritäre und auch Nazi-Strukturen es nach dem 2. Weltkrieg 
in Deutschland gab. So ganz ohne Grund wird keiner Terrorist. Das wächst
und wuchs schon jahrelang vor dem Terroristen Klar. 

Zur Forderung nach Reue im Fall Chr. Klar: Wenn einer auf Grund seiner
emotionalen Struktur ohne Gefühle ist(mögen Psychologen erklären, wie
das entsteht!) wie kann er dann Reue empfinden, er könnte nur Reue heucheln,
was der Herr Klar immerhin nicht tut. 

Der unverzeihliche Fehler der RAF-Terroristen war, dass sie  -  wie so
viele Politiker auch immer wieder  -  glaubten, der Zweck heilige die Mittel.
Um die Angehörigen der Opfer der damaligen RAF-Terroristen tut es mir Leid,
sie dürfen selbstverständlich auch weiterhin Hass hegen gegen die Täter.
Andere Zeitgenossen oder Fast-Zeitgenossen -  wie der Jurist in Bückeburg  - 
hegen wahrscheinlich Hass aus dem Gefühl der Andersartigkeit und der politischen
Entschiedenheit, dem ja auch gegebenen Mut und der ja auch persönlichen
Aufopferungsbereitschaft der RAF-Terroristen damals, alles was diese Gegner
eines Gnadenerlasses damals nicht hatten. Die Menschen sind eben unterschiedlich. 

Aber nach so vielen Jahren, kann man durchaus Gnade walten lassen.
Das wäre christlich, einem Täter auch im vorliegendem Falle zu vergeben.
Der Mann war damals Anfang 20. Vergibt man nicht heute auch 20-jährigen,
wenn Sie in menschenverachtendem Leichtsinn durch Raserei oder im Alkohol-
rausch Menschen totfahren? 

* s. “Schaumburger Zeitung“,  17.2.2007  

Dem ist wohl nicht viel hinzuzufügen. 

Außer, daß es auch in diesem Fall nach dem Gesetz gehen muß( wir leben
glücklicherweise in einem Rechtsstaat!) und das fordert schließlich, daß
jemand nicht ewig sitzen muß. 

Die Leute der ehemaligen "Rote Armee Fraktion", verbohrte Wichtigtuer und fanatische
selbsternannte Weltverbesserer, die sich aus der guten und richtigen gewaltlosen sog.
"Studentenbewegung"
absonderten, und denen damals sowohl die Moral als auch der Blick
für die Realität abhanden gekommen war, sind dem Verfasser im Grunde auch egal.
Nicht egal war es ihm jedoch, einem Juristen vom Kaliber eines Herrn Friedrich  v. Oertzen
auch einmal eine andere Sichtweise aufzutischen, als er sie zu verbreiten beliebte.

                                                                                                          18.2.07  

                                                                                                                                     

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