Onopordum acanthium - die Eselsdistel

     
                              Eselsdistel(Onopordum acanthium)             28.7.2011

Die Eselsdistel oder Krebsdistel ist eine gefährdete sog. Ruderalpflanze
(= Pflanzen, die ohne Kulturpflanze zu sein, an menschlich genutzten Orten
wachsen, z.B. im Randbereich von ländlichen Höfen, an Wegrändern).
Vereinzelt wird sie aber auch in Gärten als Zierpflanze gehalten.

Sie gehört zur Pflanzenfamilie der Korbblütler(Asteraceae) und
kann  -  bei nahrhaftem Standort  -  bis über 2 Meter hoch werden!

Die Pflanze ist frosthart und verträgt auch eine hohe Schneedecke!

Die dornigen geflügelten Stengel und auch die großen, buchtig gelappten und
stark bedornten Blätter sind von einem weißwolligem, spinnwebigem Filz
bekleidet.

Die bis zu 5 cm großen lila Blüten stehen einzeln am Ende der Stengel:

          
                      Blüte der Eselsdistel am Ende der stachligen Stengel           28.7.11

Die Pflanze ist zweijährig und stirbt nach der Blütezeit im 2. Jahr ab.
Die Blütezeit ist im Juni(manchmal auch zwischen Juli und September).

Das Verbreitungsgebiet der Eselsdistel reicht über weite Teile Europas
bis nach Mittelrussland und Vorderasien.

Durch das Verschwinden geeigneter Ruderalstandorte ist die Eselsdistel
bei uns inzwischen äußerst selten geworden! Die Rote Liste von Schleswig-Holstein
verzeichnet die Pflanze als stark gefährdet. In Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen,
Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg gilt sie als gefährdete Art!

Als ursprüngliche Heimat der Eselsdistel gilt der Mittelmeerraum, doch soll sie
schon sehr früh von Südosten her in Mitteleuropa eingewandert sein.
Sie wurde als Heil-, Nutz- und Zierpflanze früher häufig kultiviert
und zählt bei uns zu den alteingebürgerten Arten(Archäophyten).

Erklärung des botanischen Namen Onopordum acanthium:
Der botanische Gattungsname Onopordum geht auf die griechischen Wörter
"onos" (= Esel) und "porde" (= Blähung) zurück. Der römische Naturforscher
Plinius der Ältere (<klicken!) hatte nämlich kurz nach der Zeitenwende berichtet,
daß Esel die Pflanze oft in so großen Mengen gefressen hätten, daß sie davon
Blähungen bekamen. Der Artname acanthium kommt vom griechischen Wort
"acantha" = Stachel.


Geschichte der Pflanze:
Schon im vierten Jahrhundert vor Chr. hatte der Grieche Theophrast (< klicken!) 
("Vater der Botanik") eine Eselsdistel erwähnt. Es handelte sich dabei um die
Illyrische bzw. die Arabische Eselsdistel( Onopordum illyricum bzw. Onopordum
arabicum). Später beschrieben Plinius und sein Zeitgenosse Dioskurides unsere heimische
Art. Im berühmten "Wiener Dioskurides" (< klicken), einer reich bebilderten Handschrift,
die um 512 in Konstantinopel entstand und weitgehend auf des griechischen
Autors Werk "De materia medica" zurückgeht, ist sie abgebildet und beschrieben.
Dort heißt es unter anderem: " Akanthion. Einige nennen es Akanthis, die Römer
Spina ... an der
Spitze hat es dornenartige Auswüchse mit einem spinnengewebe-
artigen Überzug, der gesammelt und übereinander gelegt ein baumwollartiges
Gewebe ergeben soll. Die Wurzel der Pflanze und die Blätter helfen als Trank
bei Opisthotonie(Krämpfe der Rückenmuskulatur)." Bei den arabischen Ärzten,
die zwischen dem 10. und 12. Jahrhundert die europäische Heilkunde beeinflußten,
war die Eselsdistel ebenfalls in Gebrauch.

Die Eselsdistel ist ein staatliches Symbol Schottlands! (< klicken!)
Seit dem 15. Jahrhundert tauchte sie auf schottischen Silbermünzen auf.
Im 16. wurde die Eselsdistel dann in das königliche Wappen Schottlands
aufgenommen. Es gibt heute noch einen vornehmen schottischen Ritterorden,
den altehrwürdigen "Most Ancient and Noble Order of the Thistle", dessen
Mitglieder sich mit Distelsymbolen schmücken. Ihr Wahlspruch ist lateinisch:
"Nemo me impune lacessit!" = "Niemand greift mich ungestraft an!"
(wie bei der Distel!)

                                                                     F. Eix  / 29. Juli /16.8.2011